Es gibt beim Punktetransfer einen Fehler, der dich nichts kostet außer einem Klick an der falschen Stelle, und der trotzdem jedes Mal ein Fünftel deiner Punkte verbrennt. Er passiert genau dann, wenn man alles richtig zu machen glaubt: Man loggt sich bei American Express ein, sucht die gewünschte Airline in der Partnerliste, gibt den Betrag ein und bestätigt. Sieben Werktage später sind die Punkte weg und deutlich weniger Meilen da, als möglich gewesen wären.
Der Grund hat einen Namen, den viele deutsche Vielflieger noch nie gehört haben: Avios. Das ist keine Fluggesellschaft und kein Bonusprogramm, sondern eine Währung, die sich sieben Programme teilen. British Airways gehört dazu, Iberia, Finnair, Qatar Airways und drei kleinere. Wer das einmal verstanden hat, bewegt seine Avios zwischen diesen Konten hin und her wie Geld zwischen zwei eigenen Bankkonten, kostenlos und ohne Verlust.
Und genau daraus entsteht der Hebel. American Express Deutschland zahlt für dieselbe Währung unterschiedliche Kurse, je nachdem, in welchem der sieben Töpfe sie landen soll. Wer den teuersten Topf meidet und erst danach weiterschiebt, bekommt für exakt dieselben Punkte 20 Prozent mehr heraus. In diesem Beitrag steht, wie das funktioniert, wo die Grenzen liegen und wann sich der Umweg ausdrücklich nicht lohnt. Alle Zahlen habe ich am 4. November 2026 direkt bei den Anbietern nachgelesen.
Auf einen Blick
Was Avios sind und was sie nicht sind
Avios ist der Name der Treuewährung von British Airways und seinen Partnern. Das klingt nach einer Feinheit, ist aber der entscheidende Unterschied zu allem, was deutsche Meilensammler gewohnt sind. Miles & More Meilen liegen bei Miles & More. Flying Blue Meilen liegen bei Flying Blue. Avios dagegen liegen in sieben verschiedenen Programmen gleichzeitig, und es sind trotzdem dieselben Avios.
Man kann sich das wie eine Währung mit mehreren Hausbanken vorstellen. Der Schein in deiner Hand ist derselbe, egal bei welcher Bank das Konto liegt. Was sich unterscheidet, ist, was du dafür bekommst, denn jedes der sieben Programme hat eigene Preise für Prämienflüge, eigene Aktionen und eigene Partner. British Airways selbst sagt das auf seiner Übertragungsseite erstaunlich offen: Der Wert deiner Avios bleibt bestehen, durch das Übertragen wählst du lediglich, wie du sie ausgibst.
Für Einsteiger ist vor allem wichtig, was Avios nicht sind. Sie sind kein Zahlungsmittel für Steuern, Gebühren und Zuschläge einer Fluggesellschaft. Die bleiben bei einem Prämienflug in Euro stehen und werden mit Karte bezahlt, das schreibt British Airways bei der Einlösung ausdrücklich dazu. Wer schon einmal einen Prämienflug gebucht hat, kennt das Muster von Miles & More. Wie hoch dieser Euro-Anteil ausfällt und warum er sich nicht wegzaubern lässt, habe ich in einem eigenen Beitrag auseinandergenommen.
Mehr dazu: Steuern und Gebühren beim Prämienflug.
Sieben Programme, ein Topf
British Airways listet auf seiner Seite zur Avios-Übertragung genau auf, zwischen welchen Konten sich die Währung bewegen lässt. Neben dem British Airways Club selbst sind das sechs weitere Programme, und die Liste ist überschaubar genug, um sie sich zu merken.
- British Airways Club, das größte und in Deutschland bekannteste
- Iberia Club, die spanische Schwester mit eigenen Preistabellen
- Finnair Plus, seit kurzem vollständig auf Avios umgestellt
- Qatar Airways Privilege Club, der Weg in die Qsuite
- AerClub von Aer Lingus
- Vueling Club
- Loganair Loyalty
Diese Liste ist mehr wert, als sie auf den ersten Blick aussieht. Sie bedeutet, dass ein Konto bei British Airways für einen deutschen Sammler auch dann sinnvoll ist, wenn er nie mit British Airways fliegen will. Das Konto ist kostenlos und dient als Drehscheibe. Alle Programme hängen an ihm, und mehrere von ihnen hängen ausschließlich an ihm.
Genau das steht nämlich im Kleingedruckten: Zwischen British Airways Club, Iberia Club, AerClub, Loganair Loyalty und Vueling Club darfst du so oft hin und her schieben, wie du willst. Qatar Airways Privilege Club und Finnair Plus behandelt British Airways dagegen getrennt, dort führt der Weg jeweils über das British-Airways-Konto. Wer Avios von Iberia zu Qatar bringen will, macht also zwei Schritte statt einem. Beide kosten nichts und beide sind sofort erledigt.
Übertragen kostet nichts und ändert die Zahl nicht
Bei Transfers zwischen Programmen ist man aus anderen Ecken der Meilenwelt schlechte Nachrichten gewohnt: Mindestbeträge, Gebühren, Wartezeiten, schlechte Kurse. Bei Avios gilt davon nichts. Finnair beantwortet die Frage in seinen FAQ in einem einzigen Satz, und der ist unmissverständlich: Nein, Übertragungen sind gebührenfrei und erfolgen bei allen Programmen, die Avios nutzen, stets im Verhältnis 1:1.
Der Ablauf ist entsprechend kurz. Du verknüpfst die beiden Vielfliegerkonten einmalig miteinander, wählst aus, von welchem Konto auf welches übertragen werden soll, gibst die Anzahl ein und bestätigst. British Airways schreibt dazu, dass die Avios danach sofort auf dem gewählten Konto landen. Nicht am nächsten Tag, nicht nach einer Prüfung. Sofort.

Die Verknüpfung ist dabei der einzige Schritt, der ein wenig Zeit braucht, und auch nur beim ersten Mal. Finnair verlangt dafür eine Zwei-Faktor-Bestätigung, andere Programme fragen Kontonummer und Namen ab. Wichtig ist nur, dass die Namen in beiden Konten übereinstimmen. Wer sein British-Airways-Konto als Drehscheibe benutzen will, legt es am besten jetzt an und verknüpft es in Ruhe, bevor ein konkreter Flug in Sicht ist. Unter Zeitdruck ist das der Schritt, der nervt.
Drei Amex-Kurse für dieselbe Währung
Jetzt wird es interessant. American Express Deutschland führt in seiner Liste der Transferpartner drei Avios-Programme, und zahlt für alle drei einen anderen Kurs. Das ist der Punkt, an dem die meisten Punkte verloren gehen, weil niemand auf die Idee kommt, dass dieselbe Zielwährung unterschiedlich viel kosten könnte.

Zu British Airways Club gilt 5 Membership Rewards Punkte gleich 4 Avios, Mindesttransfer 1.000 Punkte, Dauer bis zu einem Werktag. Zu Iberia Club gilt derselbe Kurs, derselbe Mindestbetrag, dieselbe Dauer. Zu Qatar Airways Privilege Club dagegen gilt 3 Punkte gleich 2 Avios, Mindesttransfer 900 Punkte, Dauer sieben Werktage.
In Zahlen, die man vergleichen kann: Aus einem Punkt werden bei British Airways und Iberia 0,8 Avios, bei Qatar nur 0,667. Das sind zwei Kurse für exakt dieselbe Währung, die nach dem Transfer ohnehin frei zwischen den Konten wandern darf. Wer also direkt zu Qatar transferiert, bezahlt einen Aufpreis für etwas, das er hinterher kostenlos selbst erledigen kann.
Der Umweg, der 20 Prozent mehr bringt
Nehmen wir 30.000 Membership Rewards Punkte, eine Größenordnung, die nach einem Willkommensbonus und ein paar Monaten Kartennutzung realistisch ist. Du willst damit in der Qsuite von Qatar Airways sitzen, brauchst die Avios also am Ende im Privilege Club.
Weg eins, der naheliegende: 30.000 Punkte direkt zu Qatar. Kurs 3 zu 2, macht 20.000 Avios. Nach sieben Werktagen sind sie da.
Weg zwei, der Umweg: 30.000 Punkte zuerst zu British Airways. Kurs 5 zu 4, macht 24.000 Avios, und die liegen schon am nächsten Werktag im Konto. Von dort schiebst du sie 1:1 und gebührenfrei weiter zu Qatar. Ergebnis: 24.000 Avios im Privilege Club.

4.000 Avios Unterschied, also genau 20 Prozent, für zwei zusätzliche Klicks. Das Bemerkenswerte daran ist, dass der Umweg nicht nur mehr bringt, sondern auch schneller ist. Sieben Werktage für den direkten Weg gegen einen Werktag plus einen sofortigen Transfer. Es gibt in der Meilenwelt wenige Situationen, in denen die bessere Option gleichzeitig die schnellere ist. Das hier ist eine.
Einordnen lässt sich der Betrag so: 4.000 Avios sind in vielen Programmen bereits die Größenordnung eines innereuropäischen Kurzstreckenflugs in der Economy. Du bekommst für denselben Punktestand also nicht nur eine schönere Zahl auf dem Konto, sondern unter Umständen einen zusätzlichen Flug.
Wie viele Avios du bewegen darfst
Grenzen gibt es, sie sind aber für normale Sammler kaum spürbar. Finnair nennt sie in seinen FAQ am genauesten: Pro Transaktion lassen sich zwischen 1 und 999.999 Avios zwischen zwei Vielfliegerprogrammen übertragen. Nach oben ist also praktisch nichts zu befürchten, nach unten noch weniger. Ein einzelnes Avios ist ein zulässiger Transfer.
Eine zweite Grenze hängt am Status. Als Finnair Plus Basic-Mitglied, also ohne jeden Statuslevel, darfst du innerhalb von zwölf Monaten bis zu 1.000.000 Avios übertragen. Diese Summe gilt zusammengerechnet für alle Programme und für beide Richtungen. Für Mitglieder der höheren Finnair-Stufen entfällt dieses Zwölf-Monats-Limit vollständig.
Eine Million Avios in einem Jahr erreicht ein normaler Sammler nicht, selbst wenn er fleißig hin und her schiebt. Interessant wird die Zahl erst für Vielflieger, die systematisch zwischen den Programmen optimieren, oder für Haushalte, die mehrere Konten bündeln. Für alle anderen ist die Botschaft einfach: Du darfst schieben, so oft du willst.
Die enger gesteckten Grenzen liegen nicht bei Avios, sondern davor, beim Amex-Transfer. British Airways und Iberia verlangen mindestens 1.000 Membership Rewards Punkte, Qatar mindestens 900. Darunter geht nichts. Wer also 800 Punkte übrig hat, wartet besser, bis der nächste Einkauf die Schwelle überschreitet.
Wann deine Avios verfallen
Die Verfallsregel ist bei Avios erfreulich mild, aber sie existiert. British Airways formuliert sie so: Deine Avios verfallen nicht, solange du alle 36 Monate mindestens ein Avios sammelst, ausgibst, kaufst oder teilst. Wer drei Jahre lang gar nichts tut, verliert den Bestand.
Entscheidend ist das Wörtchen "ein". Es braucht keinen Flug und keinen großen Umsatz, um die Uhr zurückzusetzen. Ein einziger Avios aus einer Hotelbuchung, einem Einkauf bei einem Shopping-Partner oder eben aus einem Transfer genügt. Genau deshalb ist das Hin- und Herschieben zwischen den Konten mehr als Spielerei: Es ist auch die bequemste Art, ein ruhendes Konto am Leben zu halten.
Beachte dabei, dass die Verfallsfristen pro Programm gelten und nicht alle Avios-Programme identische Regeln haben. Die hier genannte 36-Monats-Regel ist die von British Airways. Wer Avios längerfristig parkt, prüft die Frist des Programms, in dem sie liegen, und nicht die des Programms, aus dem er sie bekommen hat.
Wie andere Programme damit umgehen, zeigt der Vergleich mit dem Meilenverfall bei Miles & More. Dort gelten deutlich andere Spielregeln.
Ein zweites Datum lohnt sich zu merken: Flüge lassen sich bei British Airways bis zu sechs Monate rückwirkend nachtragen, wenn die Avios nicht automatisch gutgeschrieben wurden. Finnair nennt dieselbe Frist sogar für Flüge vor dem Beitritt zum Programm. Wer also im Sommer mit einer oneworld-Airline geflogen ist und die Avios nie gesehen hat, sollte jetzt nachsehen, bevor die Frist abläuft.
Wann der Umweg nichts bringt
Jetzt der ehrliche Teil, denn der 20-Prozent-Hebel gilt nicht immer. Er entsteht ausschließlich aus dem schlechteren Qatar-Kurs. Wenn du deine Avios im British Airways Club oder im Iberia Club haben willst, transferierst du einfach direkt dorthin, bekommst 5 zu 4 und hast nichts gewonnen und nichts verloren. Es gibt dann keinen Umweg, weil es nichts zu umgehen gibt.
Der zweite Fall, in dem ich abraten würde: wenn du noch gar nicht weißt, wofür du die Avios brauchst. Ein Prämienplatz, den es nicht gibt, wird nicht dadurch besser, dass die Avios schon im richtigen Konto liegen. Und weil der Weg aus dem Amex-Konto heraus nicht rückwärts geht, sitzt du im Zweifel auf einer Währung, die du gerade nicht einlösen kannst.
Der Umweg über British Airways
Dafür spricht
- Bis zu 20 Prozent mehr Avios für dieselben Punkte
- Schneller als der direkte Weg, ein Werktag statt sieben
- Der Weitertransfer kostet nichts und ist sofort erledigt
- Das British-Airways-Konto ist kostenlos und dauerhaft nützlich
Dagegen spricht
- Bringt nur etwas, wenn die Avios am Ende zu Qatar sollen
- Erfordert ein zusätzliches Konto und eine einmalige Verknüpfung
- Der Amex-Transfer bleibt endgültig, egal welchen Weg du wählst
- Steuern, Gebühren und Zuschläge zahlst du weiterhin in Euro
Bevor du transferierst, lohnt der Blick auf die Verfügbarkeit. Wie man freie Prämienplätze überhaupt findet, steht in diesem Beitrag zur Prämienflug-Suche.
Avios sammeln, ohne Punkte zu transferieren
Der Transfer von Kreditkartenpunkten ist der schnellste Weg in die Avios-Welt, aber nicht der einzige. Finnair zum Beispiel schreibt seinen Mitgliedern 6 Avios pro ausgegebenem Euro gut, schon auf der untersten Stufe Basic, und zwar für Flüge genauso wie für Reiseextras wie Sitzplätze und Gepäck. Wer höhere Stufen erreicht, sammelt mehr.
Daneben gibt es die unspektakulären Quellen, die in der Summe aber genau den einen Avios liefern, der die Verfallsuhr zurücksetzt. Finnair nennt dafür konkrete Größenordnungen: mindestens 350 Avios für eine Mietwagenbuchung bei Partnern wie Hertz oder Sixt, etwa 700 Avios für ein Wochenende in einem Partnerhotel, und 0,7 bis 1 Avios pro Euro bei Einkäufen in den Duty-free-Shops am Flughafen Helsinki.
British Airways führt auf seiner Seite zusätzlich Shopping-Partner, Hotelpartner, Mietwagenpartner sowie Finanz- und Lifestyle-Partner auf. Das Prinzip ist überall dasselbe: Du buchst oder kaufst ohnehin, meldest dich vorher über das Portal an und bekommst Avios obendrauf. Reich wird davon niemand, aber ein Konto schlafen zu lassen ist nach diesen Regeln eine bewusste Entscheidung, keine Unachtsamkeit.
Wie viel ein Punktestand am Ende tatsächlich wert ist, lässt sich mit dem Meilenrechner überschlagen. Und wenn du dich fragst, ob sich deine Membership Rewards Punkte woanders besser einlösen lassen: hier stehen die Alternativen im Vergleich.
Passend dazu: Der Qatar Airways Privilege Club und alle Transferpartner von Membership Rewards.
Fazit
Avios sind die einzige große Meilenwährung, die sich kostenlos und ohne Verlust zwischen mehreren Programmen bewegen lässt. Diese eine Eigenschaft macht aus einer Fußnote im Kleingedruckten einen echten Vorteil, sobald American Express ins Spiel kommt. Denn solange Amex Deutschland für British Airways und Iberia 5 zu 4 zahlt und für Qatar nur 3 zu 2, ist der direkte Weg zu Qatar schlicht der teurere.
Die Handlungsanweisung ist entsprechend kurz: Leg dir ein kostenloses British-Airways-Konto an, verknüpfe es mit den Programmen, die dich interessieren, und transferiere Membership Rewards Punkte grundsätzlich dorthin oder zu Iberia. Von da aus sind deine Avios in Sekunden überall, wo du sie brauchst. Und warte mit dem Transfer, bis du den Prämienplatz gesehen hast.
Häufig gestellte Fragen
Geschrieben von
Simon Edholzer
Gründer von Meilen-Meister. Sammelt selbst aktiv Meilen und Punkte mit Amex Gold, Platinum und Payback Amex, zuletzt 40.000 Membership-Rewards-Punkte über eine einzige Empfehlung. Damit fliegt er regelmäßig nach Südostasien. Mehr über mich und meine Methodik
Zuletzt aktualisiert am 08.11.2026



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