Auf einen Blick
Meine Schwester rief mich im Frühjahr an, kurz vor der Hochzeitsreise. Auf ihrem Miles-&-More-Konto lagen 14.000 Meilen, auf meinem deutlich mehr. Ihre Frage war die, die mir in dieser Form am häufigsten gestellt wird: "Kannst du mir deine Meilen nicht einfach überweisen?"
Die kurze Antwort lautet nein. Eine Überweisung von Konto zu Konto gibt es bei Miles & More nicht. Die längere Antwort ist deutlich erfreulicher, denn sie war auf dem falschen Weg unterwegs: Sie brauchte meine Meilen gar nicht auf ihrem Konto. Ich konnte ihren Flug direkt aus meinem Konto heraus buchen, ganz offiziell, ohne selbst mitzufliegen.
Genau diese Verwechslung steckt hinter fast allen Suchanfragen zu dem Thema. Menschen suchen nach einer Übertragung, obwohl sie eine Einlösung meinen. Dieser Beitrag trennt beides sauber und sagt dir, was Miles & More erlaubt, was es verbietet und wann sich ein gemeinsamer Meilenpool wirklich lohnt. Alle Regeln habe ich am 2. Oktober 2026 direkt bei Miles & More nachgelesen.
Dein Meilenkonto gehört dir allein, und das hat zwei Seiten
Miles & More formuliert die Grundregel in seinem Hilfebereich unmissverständlich: Das Konto ist immer personenbezogen und an dich gebunden. Meilen können nur für Flüge und andere Aktivitäten gesammelt werden, die du selbst durchgeführt hast.
Das schließt eine Menge aus, worauf Einsteiger hoffen. Du kannst deine Kontonummer nicht bei der Buchung deines Vaters hinterlegen, damit die Meilen bei dir landen. Du kannst auch nicht die Flüge deiner Partnerin auf dein Konto buchen lassen, um schneller an die 85.000 Meilen für einen Business-Flug zu kommen. Wer fliegt, bekommt die Meilen, und niemand sonst.
Die andere Seite dieser Regel wird fast immer übersehen. Sie betrifft nämlich nur das Sammeln. Beim Einlösen gilt das genaue Gegenteil, und zwar ausdrücklich: Du darfst deine Meilen für Prämienflüge, Upgrades und Sachprämien von Familienmitgliedern, Freundinnen und Bekannten einsetzen. Noch wichtiger für die Praxis: Es ist nicht erforderlich, dass du selbst mitreist.
Damit löst sich das Problem meiner Schwester von selbst. Wir mussten keine Meilen verschieben. Ich habe in meinem Konto einen Prämienflug angefordert und als reisende Person ihren Namen eingetragen. Die Meilen gingen von meinem Konto ab, das Ticket lautete auf sie, und ich bin zu Hause geblieben.

Prämienflug für eine andere Person buchen: so läuft es ab
Der Ablauf ist unspektakulärer, als die meisten erwarten. Du meldest dich in deinem eigenen Miles-&-More-Konto an und suchst den Prämienflug wie immer. Im Schritt mit den Reisedaten gibt es die Auswahl, dass du nicht selbst fliegst, sondern für eine oder mehrere andere Personen buchst. Dort trägst du den Namen ein, exakt so, wie er im Ausweis steht.
Wichtig ist, dass die Buchung über dich läuft. Du bist derjenige mit dem Meilenkonto, du forderst die Prämie an, und du bezahlst die Steuern, Gebühren und Zuschläge mit deiner Karte. Diese Zuzahlung ist der Posten, den Einsteiger regelmäßig unterschätzen. Auf der Langstrecke können das je nach Strecke und Klasse mehrere Hundert Euro sein, und sie fällt unabhängig davon an, für wen du buchst.
Die fliegende Person braucht für den Flug selbst kein eigenes Miles-&-More-Konto. Sinnvoll ist eines trotzdem, denn auf Prämienflügen gibt es zwar keine Prämienmeilen, aber die Person kann ihre eigenen künftigen Flüge dort sammeln. Und genau darauf läuft die ehrliche Empfehlung hinaus: Wer regelmäßig mitfliegt, sollte anfangen, selbst zu sammeln, statt auf fremde Meilen zu hoffen.
Was Miles & More verbietet: verkaufen, tauschen, versteigern
Die Erlaubnis, Prämien an Dritte weiterzugeben, hat eine klare Grenze. Miles & More formuliert sie in einem Satz: Die unentgeltliche Weitergabe von Prämien an Dritte ist erlaubt, Verkauf, Tausch oder Versteigerung sind jedoch ausgeschlossen.
Entscheidend ist das Wort unentgeltlich. Du darfst deiner Mutter einen Prämienflug schenken. Du darfst ihn auch deinem besten Freund schenken, ein Verwandtschaftsverhältnis verlangt niemand. Was du nicht darfst, ist ein Geschäft daraus machen: ein Business-Class-Ticket gegen 800 Euro in einem Kleinanzeigenportal anbieten, Meilen gegen Bargeld tauschen oder Prämien versteigern.
In der Praxis ist die Grauzone kleiner, als viele denken. Dass dir deine Schwester die Steuern und Gebühren erstattet, die du für ihren Flug ausgelegt hast, ist eine Auslagenerstattung und kein Verkauf der Prämie. Sobald aber ein Preis für die Meilen selbst im Raum steht, bewegst du dich außerhalb der Regeln. Anbieter, die Meilen ankaufen, werben genau mit dieser Grenze und verschweigen, wessen Konto dabei im Risiko steht.
Mein Rat dazu ist unaufgeregt: Wer Meilen über Jahre sammelt, hat ein Guthaben aufgebaut, das mehrere Tausend Euro wert sein kann. Dieses Guthaben für ein paar Hundert Euro aufs Spiel zu setzen, ergibt rechnerisch keinen Sinn.
Mileage Pooling: der offizielle Weg, Meilen zusammenzulegen
Für alle, die nicht einmalig etwas verschenken, sondern dauerhaft gemeinsam sammeln wollen, gibt es den einen offiziellen Weg: den Meilenpool. Miles & More nennt ihn Mileage Pooling, und er ist genau das, wonach die meisten eigentlich suchen, wenn sie nach einer Übertragung fragen.
Ein Pool besteht aus höchstens zwei Erwachsenen ab 18 Jahren und bis zu fünf Kindern im Alter von zwei bis 17 Jahren. Zwei Mitglieder sind das Minimum, mindestens eines davon volljährig. Verheiratet sein muss niemand: Miles & More stellt ausdrücklich klar, dass es keine Einschränkungen gibt und sich auch Freunde zusammenschließen können.
Gegründet wird ausschließlich online im eingeloggten Konto. Du lädst über die Servicekartennummer ein, die eingeladene Person nimmt in ihrem eigenen Konto an, und erst damit existiert der Pool. Zwei Tage später werden die Meilen zusammengeführt. Diese zwei Tage sind ein Detail, das man kennen sollte: In diesem Zeitraum lassen sich weder die persönlichen noch die gemeinsamen Meilen einlösen. Wer kurz vor einer knappen Prämienbuchung steht, gründet also besser vorher oder nachher.
Danach fließen alle neu gesammelten Meilen direkt in den Pool. Die beiden Erwachsenen verwalten ihn gleichberechtigt, sehen den gemeinsamen Meilenstand überall statt ihres eigenen und können beide über die volle Summe verfügen. Das ist der eigentliche Gewinn: Aus zwei Konten mit je 40.000 Meilen, mit denen man einzeln wenig anfangen kann, werden 80.000 Meilen, und damit rückt ein Business-Class-Prämienflug in Reichweite.

Wer überhaupt poolen darf: Wohnsitz und Einladung
Bevor du einen Pool planst, lohnt ein Blick auf zwei Voraussetzungen, an denen es in der Praxis scheitert. Die erste ist der Wohnsitz. Mileage Pooling ist kein weltweites Angebot, sondern auf ausgewählte Länder begrenzt. Deutschland, Österreich und die Schweiz gehören dazu, ebenso die meisten EU-Staaten. Miles & More führt die gültige Länderliste in den Bedingungen und behält sich ausdrücklich vor, Adresse, Land und Alter zu prüfen. Wer außerhalb dieser Länder wohnt, etwa der Bruder in London oder die Tochter in den USA, kann nicht mitmachen, auch wenn er ein deutsches Konto hat.
Die zweite Voraussetzung ist die Einladung selbst. Sie läuft ausschließlich online und ausschließlich über die Servicekartennummer der Person, die du einladen willst. Du brauchst diese Nummer also vorher, und du darfst sie nur mit Zustimmung der betreffenden Person verwenden. Die Eingeladenen erfahren per E-Mail und über einen Eintrag in ihrer Inbox davon, wobei der Inbox-Eintrag verzögert erscheint.
Beide Seiten können bis zuletzt zurück. Solange die Einladung nicht angenommen wurde, kannst du sie im Konto über die Funktion zum Widerrufen wieder einkassieren. Und die eingeladene Person kann sie schlicht ablehnen, ohne Begründung. Erst mit der Annahme, für die sie die Poolbedingungen akzeptieren muss, existiert der Pool überhaupt. Kinder und Jugendliche dürfen dabei nur von ihren Erziehungsberechtigten oder gesetzlichen Vertretern eingeladen werden.
Fünf Haken am Meilenpool, die vorher niemand erwähnt
Der Pool ist ein gutes Angebot, aber er ist deutlich starrer, als die Werbung vermuten lässt. Fünf Punkte habe ich in den Bedingungen gefunden, die ich vor einer Gründung kennen würde.
Die fünf Haken im Überblick
Alles oder nichts
Du kannst nicht entscheiden, wie viele deiner Meilen in den Pool wandern. Ab Eröffnung werden die Meilen aller Mitglieder addiert, vollständig und automatisch.
Du bestimmst nicht, wessen Meilen ausgegeben werden
Bei einer Prämienanforderung zieht das System zuerst die Meilen ab, die als Erstes verfallen würden, kontoübergreifend. Eine manuelle Auswahl gibt es nicht.
Der Meilenschutz gilt nur für dich
Schützt deine Kreditkarte deine Meilen vor dem Verfall, gilt dieser Schutz ausschließlich für deine eigenen Meilen, nicht für die der anderen Poolmitglieder.
Kinder kommen an die Poolmeilen nicht heran
Minderjährige Mitglieder sehen und nutzen weiterhin nur ihre eigenen Meilen. Verfügen dürfen allein die beiden Erwachsenen.
Ein Pool pro Person, und eine Vorbedingung
Niemand darf gleichzeitig in zwei Pools sein. Außerdem zählen Meilen erst dann in den Pool, wenn das Mitglied mindestens eine Meile bei einem echten Programmpartner gesammelt hat, etwa durch einen Flug oder einen Kartenumsatz.
Besonders der zweite Punkt verdient Aufmerksamkeit, weil er in Familien für Ärger sorgen kann. Wenn dein Partner einen Prämienflug für sich bucht, kann das System dafür deine Meilen verwenden, sofern deine zuerst verfallen würden. Du bekommst darüber eine Benachrichtigung in deinem Meilenkonto, aber ein Vetorecht hast du nicht. Ein Pool setzt deshalb schlicht Vertrauen voraus.
Ein sechster Punkt betrifft alle, die ihre Meilen mit Extend Miles vor dem Verfall retten. Im Pool verlängert diese Funktion die ältesten zum Verfall anstehenden Meilen des gesamten Pools, unabhängig davon, auf wessen Konto sie vorher lagen. Gutgeschrieben werden sie anschließend dem Konto desjenigen, der Extend Miles genutzt hat. Wer also für die ablaufenden Meilen seines Partners bezahlt, bekommt sie danach auf das eigene Konto gebucht. Innerhalb einer Familie ist das egal, in einem Pool unter Freunden sollte man vorher darüber gesprochen haben.
Austritt aus dem Pool: sechs Monate Sperre
Austreten kannst du jederzeit, die Funktion steckt im Online-Konto. Die gute Nachricht zuerst: Deine selbst gesammelten und noch nicht eingelösten Meilen bleiben dir erhalten und liegen danach wieder auf deinem individuellen Konto. Du verlierst durch den Austritt also nichts von dem, was du beigetragen hast.
Der Preis ist eine Wartezeit, und die hat es in sich. Nach dem Verlassen eines Pools bist du sechs Monate lang gesperrt, sowohl für die Gründung eines neuen Pools als auch für den Beitritt zu einem anderen. Zusätzlich bleibt auch der Platz, den du im alten Pool freigemacht hast, sechs Monate gesperrt. Die Gruppe kann ihn in dieser Zeit also nicht neu besetzen.
Sobald jemand austritt, verschwinden seine Meilen sofort aus dem Pool und stehen den übrigen Mitgliedern nicht mehr zur Verfügung. Wer also mit den gemeinsamen Meilen plant, sollte wissen, dass die Planungsgrundlage von einem Tag auf den anderen kleiner werden kann.
Eine Ausnahme gibt es: Wird ein Kind volljährig, entfernt das System es automatisch aus dem Pool, weil es mit 18 neue Rechte bekommt. In diesem Fall gilt keine Sperrfrist. Die Person kann sofort wieder beitreten, dem alten Pool oder einem anderen, oder einen eigenen gründen.

Pool gründen oder einfach für die andere Person buchen?
Beide Wege führen dazu, dass jemand anderes fliegt. Sie passen aber zu sehr unterschiedlichen Situationen, und die Entscheidung fällt leichter, wenn man sie an einer Frage festmacht: Geht es um einen einzelnen Flug oder um die nächsten Jahre?
Meilenpool: Wofür er taugt und wofür nicht
Dafür spricht
- Zwei kleine Meilenstände werden zu einem nutzbaren, Prämien rücken früher in Reichweite
- Alle neu gesammelten Meilen landen automatisch im gemeinsamen Topf, niemand muss etwas verschieben
- Beide Erwachsene können gleichberechtigt buchen, auch für sich allein
- Kinder ab zwei Jahren können einbezogen werden, ihre Meilen verfallen nicht ungenutzt
Dagegen spricht
- Keine Teilnahme mit nur einem Teil der Meilen, es wandert immer der gesamte Bestand hinein
- Keine Kontrolle darüber, wessen Meilen eine Buchung bezahlt
- Sechs Monate Sperre nach dem Austritt, für dich und für den Platz
- Zwei Tage nach der Gründung ist gar keine Einlösung möglich
- Der Meilenschutz der Kreditkarte deckt weiterhin nur die eigenen Meilen ab
Fazit
Die Frage nach der Meilenübertragung beruht fast immer auf einem Missverständnis. Ein Konto-zu-Konto-Transfer ist bei Miles & More nicht vorgesehen, und das ist in den allermeisten Fällen auch gar nicht nötig. Prämienflüge, Upgrades und Sachprämien für andere Menschen sind ausdrücklich erlaubt, ohne dass du mitfliegen musst.
Wer dauerhaft zu zweit plant, nimmt den Meilenpool, muss aber akzeptieren, dass er alles einbringt und bei der Auswahl der ausgegebenen Meilen nichts zu entscheiden hat. Und wer bisher nur zuschaut, während der Partner sammelt, löst das Problem am ehesten, indem er selbst anfängt zu sammeln. Das ist unspektakulär, aber es ist der einzige Weg, den die Programmregeln wirklich vorsehen.
Häufige Fragen zu Meilen für andere Personen
Geschrieben von
Simon Edholzer
Gründer von Meilen-Meister. Sammelt selbst aktiv Meilen und Punkte mit Amex Gold, Platinum und Payback Amex — zuletzt 40.000 Membership-Rewards-Punkte über eine einzige Empfehlung — und fliegt damit regelmäßig nach Südostasien. Mehr über mich und meine Methodik
Zuletzt aktualisiert am 02.10.2026


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