Sobald ein Kind mitreist, ändert sich die Rechnung komplett. Aus einem Prämienflug für zwei Personen werden schnell vier Tickets, und viele Eltern gehen dabei von zwei Annahmen aus, die beide nicht mehr stimmen: dass ein Baby auf dem Schoß umsonst mitfliegt und dass Kinder einfach die Hälfte kosten.
Beides ist falsch. Bei Miles & More kostet inzwischen auch ein Kleinkind ohne eigenen Sitzplatz Meilen, und die Ermässigung für ältere Kinder liegt nicht bei 50, sondern bei 25 Prozent. Dazu kommen Einschränkungen, die in keiner Werbung stehen und die genau dann zuschlagen, wenn eine Familie nach dem günstigsten Angebot sucht.
Ich habe mir dafür die Bedingungen für Award Flights direkt bei Miles & More angesehen, abgerufen am 4. Oktober 2026. Alle Prozentsätze und Regeln in diesem Beitrag stammen aus diesem Dokument, nicht aus zweiter Hand.
Auf einen Blick
Kleinkinder fliegen nicht mehr umsonst mit
Lange galt bei Miles & More dieselbe Regel wie bei bezahlten Tickets: Ein Kind unter zwei Jahren, das auf dem Schoß eines Elternteils reist, brauchte keine eigenen Meilen. Fällig wurden nur die Steuern und Gebühren. Das war für Familien mit Baby ein spürbarer Vorteil.
Diese Zeit ist vorbei. In den Bedingungen steht heute, dass Kleinkinder bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres für 10 Prozent der Meilen reisen, die ein Erwachsener für einen regulären Prämienflug einlösen müsste, sofern sie keinen eigenen Sitzplatz belegen.
Zehn Prozent klingen harmlos, und auf der Kurzstrecke sind sie es auch. Bei einem Europaflug, für den du 30.000 Meilen brauchst, sind das 3.000 Meilen für das Baby. Auf der Langstrecke in der Business Class sieht es anders aus: Wenn ein Erwachsener 100.000 Meilen einlöst, kostet das Baby auf dem Schoß 10.000 Meilen. Das ist bereits ein Drittel eines innereuropäischen Economy-Prämienflugs, für einen Platz, den das Kind gar nicht belegt.
Will das Kleinkind einen eigenen Sitzplatz, greift diese Regel nicht mehr. Dann gilt es als Kind mit Sitzplatz und wird entsprechend berechnet. Wer mit Babyschale oder eigenem Sitz plant, sollte das vor der Buchung einrechnen.
Kinder zwischen zwei und zwölf bekommen 25 Prozent Ermässigung
Für Kinder, die das zweite, aber noch nicht das zwölfte Lebensjahr vollendet haben, gewährt Miles & More eine Ermässigung von 25 Prozent auf die Meilen, die für einen regulären Prämienflug nötig wären. Dein Kind zahlt also drei Viertel des Erwachsenenpreises in Meilen.
Hier liegt der häufigste Irrtum. Weil viele Airlines bei Bartickets Kinderermässigungen um die 25 Prozent geben und bei anderen Programmen schon einmal die Hälfte drin war, erwarten Eltern einen deutlich größeren Nachlass. Ein Viertel ist es, nicht die Hälfte.
Konkret: Kostet ein Hin- und Rückflug nach Griechenland 30.000 Meilen, zahlt das achtjährige Kind 22.500 Meilen. Bei einem Langstreckenflug für 100.000 Meilen sind es 75.000. Über eine ganze Familie gerechnet summiert sich das schnell, und genau deshalb lohnt es sich, vor der Buchung einmal durchzurechnen statt zu schätzen.

Ein Rechenbeispiel für eine vierköpfige Familie
Nehmen wir eine typische Konstellation: zwei Erwachsene, ein Kind von sechs Jahren und ein Baby von elf Monaten, das auf dem Schoß mitfliegt. Für die Strecke setze ich beispielhaft 60.000 Meilen je Erwachsener für Hin- und Rückflug an. Diese Zahl ist eine Annahme, um die Rechnung greifbar zu machen, kein offizieller Tarif.
Die beiden Erwachsenen kosten zusammen 120.000 Meilen. Das sechsjährige Kind zahlt 75 Prozent, also 45.000 Meilen. Das Baby zahlt 10 Prozent, also 6.000 Meilen. Zusammen sind das 171.000 Meilen.

Ohne die Kinderregelungen wären es 240.000 Meilen gewesen. Die Ermässigungen sparen der Familie in diesem Beispiel also 69.000 Meilen, was ungefähr einem weiteren Europa-Hin-und-Rückflug entspricht. Das ist ein echter Vorteil, nur eben ein kleinerer als der, mit dem viele rechnen.
Wichtig für die Planung: Diese 171.000 Meilen müssen auf einem einzigen Konto liegen, nämlich auf deinem. Prämienflüge für Familienangehörige buchst du selbst, die Meilen werden von deinem Konto abgebucht.
Kinderprämien gibt es nur bei elf Airlines
Die Ermässigungen gelten nicht im gesamten Miles-&-More-Partnernetz. Laut den Bedingungen werden Child’s Award Flights ausschließlich für Flüge angeboten, die von Austrian Airlines, Air Dolomiti, Brussels Airlines, Croatia Airlines, Discover Airlines, Eurowings, LOT Polish Airlines, Lufthansa, Lufthansa City Airlines, Luxair und SWISS durchgeführt werden.
Das ist im Kern die Lufthansa Group plus einige europäische Partner. Für Europa und das Mittelmeer ist das selten ein Problem, dort fliegt ohnehin meist eine dieser Gesellschaften. Auf der Langstrecke schränkt es die Auswahl spürbar ein.
Wenn du einen Prämienflug mit einem Star-Alliance-Partner wie Singapore Airlines, Thai Airways oder United buchen willst, bekommt dein Kind dort keine Kinderermässigung über Miles & More. Es zahlt dann den vollen Meilenpreis eines Erwachsenen. Bei einer Familie mit zwei Kindern kann dieser Unterschied darüber entscheiden, welche Verbindung überhaupt infrage kommt.
Praktisch heißt das für die Langstreckenplanung: Prüfe zuerst, ob eine der elf Gesellschaften dein Ziel überhaupt anfliegt, und erst danach, ob Prämienplätze frei sind. Bei Zielen, die nur über einen Partner außerhalb der Liste erreichbar sind, rechnest du am besten gleich mit dem vollen Meilenpreis für jedes Kind. Je nach Reiseziel kann es dann günstiger sein, die Kinder bar zu buchen und die Meilen für die Erwachsenen einzusetzen.
Noch eine Bedingung steht in demselben Abschnitt: Die Buchung ist nur möglich, wenn das Kind während des Fluges von einer uneingeschränkt geschäftsfähigen Person oder vom UM-Service für allein reisende Minderjährige begleitet wird. Ein Kind kann also nicht einfach allein auf einer Kinderprämie reisen.
Der Haken: Kinderprämien gelten nicht für die Sparangebote
Das ist der Punkt, an dem die meisten Familien unangenehm überrascht werden, und er steht ziemlich versteckt in Abschnitt 3.1 der Bedingungen.
Dort heißt es, dass Companion Award Flights nicht in Verbindung mit ermässigten Award Flights erhältlich sind, und direkt im Anschluss: Dies gilt auch für Child’s Award Flights. Ermässigte Award Flights sind genau die Angebote, nach denen preisbewusste Familien zuerst suchen, nämlich Fly Smart Award Flights, Award Flight Specials und die monatlich wechselnden Meilenschnäppchen.
Im Klartext: Du kannst nicht beides haben. Entweder du buchst ein vergünstigtes Angebot und zahlst für dein Kind den vollen Meilenpreis dieses Angebots, oder du buchst einen regulären Prämienflug und nutzt die Kinderermässigung. Was günstiger ist, hängt davon ab, wie stark das Sparangebot den Grundpreis senkt.

Das Alter am Tag des Hinflugs entscheidet
Eine Regel, die bei Geburtstagen im Reisezeitraum richtig Geld kostet: Entscheidend ist jeweils das Alter des Kindes oder Kleinkindes zum Zeitpunkt des Hinflugs. So steht es wörtlich in den Bedingungen.
Das ist für dich in der Regel die gute Nachricht. Wird dein Kind während des Urlaubs zwei Jahre alt, zählt für die gesamte Reise noch der Kleinkindtarif mit 10 Prozent, weil am Hinflugtag die Vollendung des zweiten Lebensjahres noch nicht erreicht war. Dasselbe gilt am anderen Ende: Wer kurz nach dem Hinflug zwölf wird, fliegt die ganze Reise noch mit 25 Prozent Ermässigung.
Umgekehrt heißt das aber auch, dass ein Geburtstag kurz vor dem Abflug die Rechnung verteuert. Wenn dein Kind drei Tage vor dem geplanten Hinflug zwölf wird, zahlst du den vollen Preis. Bei einem Langstreckenflug kann es sich lohnen, den Hinflug um ein paar Tage vorzuziehen.
Beachte außerdem, dass ein Kleinkind ohne eigenen Sitzplatz reisen muss, um den Zehn-Prozent-Satz zu bekommen. Wird es während der Reise zwei und braucht auf dem Rückflug einen eigenen Platz, klärst du das am besten vor der Buchung mit dem Service Team.
Zwei Regeln, die bei Familien richtig ins Geld gehen
Mit Kindern wird aus jedem Haken ein Haken mal vier. Zwei Stellen in den Bedingungen solltest du deshalb kennen, bevor du für die ganze Familie buchst.
Die erste betrifft Stornierungen, und sie ist der teuerste Punkt im ganzen Regelwerk. Stornierst du vor Reiseantritt, hast du die Wahl zwischen zwei Wegen. Beim ersten bekommst du nur Steuern und Gebühren zurück, die Meilen und die Zuschläge der Airline bleiben weg, dafür entstehen keine zusätzlichen Kosten. Beim zweiten bekommst du auch Meilen und Zuschläge erstattet, zahlst dafür aber den in den Tarifbedingungen genannten Betrag, mindestens jedoch 50 Euro pro Person und Stornierung.
Lies den letzten Halbsatz noch einmal: pro Person. Bei einer vierköpfigen Familie sind das mindestens 200 Euro, nur um die eigenen Meilen zurückzubekommen. Wer mit kleinen Kindern reist und weiß, wie oft eine Mittelohrentzündung einen Reiseplan kippt, sollte diesen Betrag von Anfang an mitdenken.
Die zweite Regel ist ein stiller Fallstrick: Einmal ausgestellte Prämienflüge sind nicht übertragbar. Du kannst zwar für deine Kinder und für andere Personen buchen, aber ein fertiges Ticket lässt sich nicht nachträglich auf jemand anderen umschreiben. Fällt ein Kind aus und soll stattdessen die Oma mit, hilft nur stornieren und neu buchen.
Ein Lichtblick zum Ausgleich: Die Halbierung bei Oneway-Prämienflügen gilt ausdrücklich auch für Kinderprämien. Ein Oneway Award Flight kostet 50 Prozent der Meilen eines regulären Hin- und Rückflugs, Child’s Award Flights eingeschlossen. Für Familien, die den Hinflug mit Meilen und den Rückflug bar buchen oder umgekehrt, ist das ein sauberer Hebel.
Steuern und Gebühren zahlen Kinder in voller Höhe
Die Ermässigung betrifft ausschließlich die Meilen. Auf die Zuzahlung wirkt sie sich nicht aus. Die Bedingungen halten in Abschnitt 2.1 fest, dass sämtliche anfallenden Steuern, Gebühren und Zuschläge gesondert berechnet werden, per Kreditkarte zu entrichten sind und nicht mit weiteren Meilen beglichen werden können.
Für eine Familie bedeutet das eine Zuzahlung, die ungefähr mit der Personenzahl wächst, nicht mit der Meilenzahl. Beim Kleinkind ohne eigenen Sitzplatz fällt sie oft niedriger aus, weil ein Teil der Entgelte an den belegten Sitz geknüpft ist. Verlassen solltest du dich darauf nicht, die Buchungsmaske zeigt dir den genauen Betrag vor dem Abschluss.
Woraus diese Zuzahlung besteht und warum sie je nach Airline so unterschiedlich ausfällt, habe ich in einem eigenen Beitrag zu Steuern und Gebühren beim Prämienflug aufgeschlüsselt. Wenn du für andere Personen buchst oder darüber nachdenkst, Meilen in der Familie zusammenzulegen, lohnt sich zusätzlich der Beitrag dazu, wann du Meilen für eine andere Person einlösen darfst.
Vor der Buchung durchgehen
Alter am Hinflugtag prüfen
Nicht das Alter bei der Buchung zählt und auch nicht das am Rückflug, sondern das am Tag des Hinflugs. Bei Geburtstagen im Reisezeitraum lohnt der Blick in den Kalender.
Durchführende Airline kontrollieren
Kinderermässigungen gibt es nur auf Flügen der elf genannten Gesellschaften. Bei einem Partner außerhalb dieser Liste zahlt dein Kind den vollen Meilenpreis.
Sparangebot gegen Kinderrabatt rechnen
Fly Smart, Award Flight Specials und Meilenschnäppchen lassen sich nicht mit der Kinderermässigung kombinieren. Rechne beide Wege einmal durch.
Eigenen Sitzplatz fürs Baby einplanen
Die zehn Prozent gelten nur ohne eigenen Sitzplatz. Mit Babyschale oder eigenem Platz wird anders gerechnet.
Zuzahlung für alle Personen einkalkulieren
Steuern, Gebühren und Zuschläge fallen pro Person an und sind per Kreditkarte zu zahlen. Meilen helfen hier nicht.
Früh buchen
Prämienflüge sind bis zu 361 Tage vor dem Abflug buchbar. In den Schulferien sind die wenigen Prämienplätze für vier Personen schnell weg.
Häufige Fragen zu Prämienflügen für Kinder
Fazit: Rechnen lohnt sich, pauschale Annahmen nicht
Prämienflüge für Familien sind weiterhin ein guter Weg, nur funktionieren sie anders, als viele Eltern erwarten. Das Baby auf dem Schoß ist nicht mehr gratis, das Schulkind spart ein Viertel statt der Hälfte, und die attraktivsten Sparangebote schließen die Kinderermässigung aus.
Mein Vorgehen bei einer Familienbuchung: erst die Airline prüfen, dann beide Preiswege nebeneinander rechnen, dann den Kalender auf Geburtstage im Reisezeitraum ansehen. Diese drei Schritte dauern zehn Minuten und entscheiden über einen Unterschied, der schnell einen kompletten Flug ausmacht.
Stand: Oktober 2026. Alle Prozentsätze, Airline-Listen und Kombinationsregeln stammen aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen für Miles & More Award Flights, abgerufen am 4. Oktober 2026. Die Meilenzahlen in den Rechenbeispielen sind Annahmen zur Veranschaulichung, keine offiziellen Tarife. Den konkreten Meilenpreis zeigt dir die Prämienflugsuche vor der Buchung.
Geschrieben von
Simon Edholzer
Gründer von Meilen-Meister. Sammelt selbst aktiv Meilen und Punkte mit Amex Gold, Platinum und Payback Amex — zuletzt 40.000 Membership-Rewards-Punkte über eine einzige Empfehlung — und fliegt damit regelmäßig nach Südostasien. Mehr über mich und meine Methodik
Zuletzt aktualisiert am 03.10.2026


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